Heute Abend ging das Projekt live
Heute Abend ging Prioco endlich live: Nach Monaten der Entwicklung und ausgiebigen Testsessions, in denen wir die Anwendung gründlich unter die Lupe genommen haben, wird aus einem Repository ein Produkt, das echte Menschen in die Hand nehmen.
Die Frage, aus der alles entstanden ist
Am Anfang stand keine Marktlücke, sondern eine familiäre Situation. Und daraus eine Frage, die mir seitdem in auffällig vielen Gesprächen mit Selbstständigen wieder begegnet ist: Was passiert mit dem Betrieb, wenn der Inhaber von heute auf morgen ausfällt?
Wer dann einspringt, sucht selten das Wissen. Er sucht den Zugriff darauf. Wo liegen die Verträge? Wer muss informiert werden? Welche Zugänge braucht es, um den Laden am Laufen zu halten? Das sind Fragen, die niemand gern stellt – und genau deshalb bleiben sie meistens unbeantwortet, bis es zu spät ist.
Aus dieser Frage ist die Prioco GmbH entstanden: 2025 gegründet, ansässig im TechHub.K67 in Düsseldorf, gefördert durch das EXIST-Women-Stipendium und das Gründungsstipendium.NRW, 2025 Finalistin beim NEXT Award der Stadt Düsseldorf. Ich entwickle den digitalen Tresor dahinter.
Was Prioco macht
Verträge, Konten, Versicherungen, Schlüssel und Zugangsdaten an einem Ort, strukturiert erfasst. Im Ernstfall kontrolliert an hinterlegte Vertrauenspersonen freigegeben – zu einem Zeitpunkt, den der Inhaber selbst festlegt.
Das ist weniger spektakulär, als es klingt, und wichtiger, als es klingt: Es ist der Unterschied zwischen „der Betrieb steht drei Wochen“ und „jemand kann am nächsten Morgen weitermachen“.
Sicherheit war kein Feature, sondern der Grundriss
Die gesamte Verschlüsselung passiert im Browser des Nutzers. Jeder einzelne Eintrag bekommt seinen eigenen Schlüssel; das Passwort öffnet nur den Schlüsselbund, nicht die Daten. Der Server sieht ausschließlich Chiffrat.
Das heißt im Klartext: Prioco kann die hinterlegte Notfallvorsorge nicht einsehen. Nicht „wir tun es nicht“, sondern „wir können es nicht“. Bei einem Produkt, dem Menschen das Rückgrat ihres Unternehmens anvertrauen, ist das aus unserer Sicht die einzig vertretbare Bauweise. Gehostet wird in Deutschland.
Technisch dahinter: eine Progressive Web App auf Vue 3, clientseitige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, eine Web-Worker-Architektur und ein WebSocket-Backend als Microservice-Architektur.
Getestet, nicht gehofft
Eine Architektur, bei der der Anbieter selbst nicht an die Daten kommt, verzeiht wenig. Geht ein Schlüssel verloren, ist der Eintrag weg. Da hilft dann auch kein Support und kein Datenbank-Zugriff. Entsprechend viel Zeit ist in die Testsessions geflossen: Alle Abläufe wurden penibel durchgespielt, Grenzfälle gesucht und die unangenehmen Fragen vorher statt hinterher gestellt.
Deshalb ging ich den Dienstagabend ruhig an. Nicht, weil beim Start nichts passieren kann (das behauptet nach 25 Jahren in diesem Beruf hoffentlich niemand ernsthaft) sondern weil wir wissen, was die Anwendung tut und wo ihre Kanten sind. Außerdem war es ein Silent Release: Still und heimlich war er da. Version 0.9.1 wird in der nächsten Woche dann die finale Versionsnummer 1.0.0 tragen und dann starten wir auch die ganz große Werbetrommel.
Dienstagabend ging es los
Wenn du selbstständig bist und dir die Frage vom Anfang schon einmal durch den Kopf gegangen ist – und sei es nur für drei Sekunden, bevor du sie wieder verworfen hast: Schau am Mittwoch vorbei. Ich bin gespannt, was die ersten echten Nutzer daraus machen.